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Die Nationalflagge von Eritrea

06 / 2013

Landesinformation: Eritrea

Eritrea liegt nördlich des Horns von Afrika. Es grenzt im Nordwesten an Sudan, im Süden an Äthiopien, im Südosten an Dschibuti und im Nordosten an das Rote Meer.

Zahlen und Fakten

  • Größe: 124 000 km2 einschließlich der Dahlak -Inseln '(ca. 1/3 der Fläche Deutschlands)'
  • Einwohner: ca. 5 Mio
        zusätzlich mehr als 800.000 ExileritreerInnen (Europa, USA, Sudan, Saudi-Arabien);
        9 Ethnien: Tigrinya (ca. 50 %), Tigré (ca. 30 %), Saho (ca. 5 %), Afar (ca. 5 %), Hedareb (ca. 2,5 %), Bilen (ca. 2 %), Kunama (ca. 2 %), Nara (ca. 1,5 %), Rashaida (ca. 0,5 %)
  • Hauptstadt: Asmara, ca 500 000 Einwohner
  • Staatsform: Republik, präsidiale Regierungsform mit Übergangsparlament (seit 2001 nicht mehr zusammen getreten)
        Regierungspartei: Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ). Sie ist aus der früheren bewaffneten Unabhängigkeitsbewegung der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) hervorgegangen. Da sie mit ihrem Parteivorsitzenden Isayas Afwerki auch gleichzeitig den Posten des Staatspräsidenten und Regierungschefs in Anspruch nimmt gilt Eritrea als Einparteienstaat. Die 1993 angekündigten freien Wahlen wurden nie durchgeführt.
        Oppositionsparteien sind nicht zugelassen.
  • Lebenserwartung: Frauen 65 Jahre, Männer 61 Jahre
  • Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 550 US-Dollar/Jahr (Schätzung IWF 2012)

Geschichtliches

16. Jahrhundert: Kolonie des Osmanischen Reiches
ab 1890: italienische Kolonie
ab 1941: unter britischer Verwaltung
1952–1961: autonomes Gebiet, föderativ mit Äthiopien verbunden
1962-1993: Provinz Äthiopiens, Unabhängigkeitskrieg
Seit 24. Mai 1993 unabhängig (nach dem Ende der Kämpfe verschiedener Guerillabewegungen und Flucht des äthiopischen Diktators Mengistu 1993)
Staatspräsident seit 1993: Isayas Afwerki, "People's Front for Democracy and Justice" (PFDJ)

Wehrdienst

Die Wehrpflicht für Frauen und Männer beträgt offiziell 18 Monate ab dem 18. Lebensjahr. Faktisch wird sie auf unbestimmte Zeit verlängert, auch ältere Menschen und Minderjährige werden eingezogen. Die Arbeitseinsätze im Wehrdienst kommen Zwangsarbeit gleich. Die Besoldung ist zu gering, um den Grundbedürfnissen einer Familie gerecht zu werden. Das letzte Schuljahr muss obligatorisch im militärischen Ausbildungslager Sawa abgeleistet werden, dies betrifft auch Minderjährige ab 15 Jahren. Deserteuren und mitunter deren Familienangehörigen drohen Inhaftierung und Folter. Viele Eritreerinnen und Eritreer fliehen aus dem Land, um dem Wehrdienst zu entgehen.

Politische Gefangene

Immer noch gibt es Tausende gewaltlose und andere politische Gefangene, darunter Regierungskritiker, ehemalige Politiker, Journalisten, Angehörige nicht-anerkannter Religionsgemeinschaften und EritreerInnen, die versucht haben, das Land zu verlassen.
Die Verhaftungen geschehen willkürlich, häufig bleiben die Gefangenen lange – bis zu Jahren – ohne Anklage und Verfahren, ohne Kontakt zu Familienangehörigen und Rechtsbeistand unter dramatischen Bedingungen inhaftiert.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen hat 2015 Eritrea erneut den 180. und damit weltweit letzten Platz eingenommen.
Es gibt vier anerkannte Religionen in Eritrea, Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften werden in der Ausübung ihrer Religion eingeschränkt und zum Teil inhaftiert.
Homosexualität ist strafbar.

Folter und andere Misshandlungen

In eritreischen Haftanstalten ist Folter weit verbreitet, unter anderem durch Fesselungen, Schlagen, Isolationshaft u.a.. Zum Teil werden die Inhaftierten unter extremen Bedingungen untergebracht, z.B. in Schiffscontainern oder unterirdischen Zellen. Häufig wird eine ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser, Möglichkeiten zur körperlichen Hygiene und medizinische Betreuung vorenthalten. Minderjährige können mit Erwachsenen gemeinsam inhaftiert sein. Die Todesstrafe ist in der Praxis abgeschafft, immer wieder sterben jedoch Häftlinge an den Folgen der schlechten Haftbedingungen und Folter.

Flüchtlinge und Asylsuchende

Der Versuch aus dem Land zu fliehen oder sich dem Wehrdienst zu entziehen kann zu Verhaftung und Folter führen. An den Grenzen wird auf Flüchtlinge scharf geschossen. Viele EritreerInnen sterben bei dem Versuch nach Europa zu gelangen. Auf der Fluchtroute durch den Sinai kommt es wiederholt zu Entführungen und Erpressung hoher Geldbeträge von den Familien, die telefonisch Zeuge von Folter und Misshandlung der Flüchtlinge werden. Auch in den Exilländern herrscht große Angst vor mutmaßlichen Informanten des Regimes und negativen Folgen für die Familien im Heimatland.

Es handelt sich bei diesem Beitrag um einen Überblick mit den wichtigsten Fakten über Eritrea ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Gewähr auf Richtigkeit.

Quellen: Informationen des Auswärtigen Amtes der BRD, Amnesty Report Eritrea 2015, International Human Development Index

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